A2: Stärken sie die personalen Werte ihres Kindes

Ihr Kind ist einzigartig, einmalig. Schenken Sie ihm die ihm gebührende Aufmerksamkeit. Nehmen Sie personale „Edelsteinmomente“ wahr.

„Edelsteinmomente“ sind Momente, in denen Sie ihre gesamte Aufmerksamkeit auf ihr Kind lenken.

Diese Aufmerksamkeit hat eine besondere Intensität, die aus dem direkten, persönlichen Interesse an Ihrem Kind und seiner wunderbaren Einzigartigkeit hervorgeht.

Diese Augenblicke echter Begegnung können als wahre Glücksmomente erlebt werden.

Übung: Edelsteinmomente (Auszug aus: „Kess erziehen“, Kursleitung, 2009)

Ich lade Sie nun ein, in einer kleinen Übung diesen Unterschied selbst zu erfahren:

Setzen Sie sich gleich bitte paarweise zusammen. Eine Person spielt die Mutter, die andere Person spielt das Kind. Das Kind, 8 Jahre alt, kommt nun zu der Mutter und erzählt ihr von einem wunderschönen Schmetterling, den es auf dem Weg von der Schule nach Hause gesehen hat.

Die Mutter ist gerade mit etwas für sie Wichtigem beschäftigt und kann und will überhaupt nicht zuhören. Sie versucht aber beides halbherzig zu tun und hört mit halbem Ohr zu, während sie die andere Tätigkeit fortsetzt.

Spielen sie nun diese Szene kurz für ca 2 Minuten an.

  1. Rückmeldung erbitten:
  2. „Wie ist es denen ergangen, die die Kinder gespielt haben?“
  3. „Wie haben Sie sich in dieser Situation gefühlt?“
  4. „Wie haben Sie versucht, die Aufmerksamkeit Ihrer Mutter doch zu bekommen?“
  5. Rückmeldung erbitten:
  6. „Wie ist es denen ergangen, die die Mutter gespielt haben?“
  7. „Wie haben Sie sich gefühlt?“

Zusammenfassung der Erfahrungen!

Solche Situationen kommen im Alltag häufig vor: Das Kind wendet sich an uns Eltern, während wir mit anderen Dingen beschäftigt sind. Wir sind versucht, beides unter einen Hut zu bringen. Wir gehen unserer Tätigkeit weiter nach, sind mit den Gedanken ganz woanders, versuchen aber dennoch, dem Kind gerecht zu werden. Wir haben jedoch erlebt, dass sich weder die Kinder noch die Eltern dabei wohl fühlen.

Die Kinder fühlen sich unverstanden, ignoriert und versuchen mit immer stärkeren Mitteln unsere ungeteilte Aufmerksamkeit zu bekommen. Die Eltern fühlen sich hin- und hergerissen: einerseits gestört und belästigt, weil sie ihre Tätigkeit nicht fortsetzen können, andererseits fühlen sich viele unwohl, weil sie merken, dass sie ihrem Kind nicht gerecht werden. Es macht deutlich, dass faule Kompromisse nichts taugen. Daher sagen Sie Ihrem Kind klar „Nein, jetzt geht es nicht!“, wenn Sie keine Zeit haben und ihm nicht zuhören können, und wenden Sie sich dem Kind dann ganz zu, sobald Ihnen dies möglich ist.

2. Übung: Letzteres werden wir nun kurz anspielen. Bleiben Sie dazu bitte in den Rollen von vorhin. Dieses Mal wird die Mutter die Tätigkeit unterbrechen und sich dem Kind ganz zuwenden. Setzen Sie sich dem Kind direkt gegenüber hin bzw. gehen Sie vor ihm in die Hocke, um ihm in die Augen schauen und so zuhören zu können. Versuchen Sie zu verstehen, was das Kind Ihnen zu erzählen hat; sehen Sie den Schmetterling mit seinen Augen. Seien sie aktiv in der Zuhörerrollen. Versuchen Sie, die Empfindungen des Kindes herauszuhören und widerzugeben.

(Anspiel ca 2 Minuten)

  1. Rückmeldung erbitten:
  2. „Wie ist es Ihnen als Mutter ergangen?“
  3. „Was haben Sie diesmal empfunden?“
  • Rückmeldung erbitten:
  • „Wie haben sich die „Kinder“ gefühlt?“
  • „Welche Verhaltensweisen der Mutter haben bei ihnen ein gutes Gefühl ausgelöst?“

Fassen Sie die Erfahrungen anschließend zusammen:

Sie haben merken können, wie wohltuend ungeteilte Aufmerksamkeit ist. Wirkliches, fokussiertes und einfühlsames Zuhören befriedigt das Gegenüber sehr.

Die Kinder merken, dass sie wichtig für uns sind, dass wir ihnen Achtung schenken, weil wir sie ernst nehmen und unsere Arbeit für sie unterbrechen. Sie fühlen sich geliebt und ihre Bedürfnisse sind befriedigt.

Edelsteinmomente können in vielfältiger Weise in den Alltag eingestreut werden. Es kann das einfühlende Zuhören sein, es können jedoch auch Sekundenbegegnungen sein wie ein liebevolles Zunicken oder Zuzwinkern, ein herzliches Zulächeln oder ein Umarmen. Es sind kurze Momente, die jedoch allen ein wunderbares Gefühl vermitteln können.

  • Begeben Sie sich immer wieder auf die „Schatzsuche“ – finden Sie die Stärken Ihres Kindes
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  • Fördern Sie die individuellen Stärken Ihres Kindes.
  • Der Ausbau von Stärken kann wichtiger sein, als der Abbau von Schwächen
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  • Lassen Sie das Kind wissen, dass Sie von seinen Stärken überzeugt sind. Spornen Sie es an: „Du schaffst das schon. Ich weiß, dass du gut vorbereitet bist.“ „Egal wie es ausgeht: ich hab´dich lieb.“
  • Selbständigkeit und Eigenverantwortung, Anstrengungsbereitschaft, Kreativität, Problemlösewilligkeit und Durchhaltevermögen sind wichtige Lernkompetenzen.
  • Stärken Sie Leistungsfreude und  Leistungswilligkeit
  • Begleiten Sie Ihr Kind durch „Fordern“ und „Fördern“, helfen Sie Misserfolge zu verkraften, machen Sie Mut
  • Loben Sie kleinste Fortschritte. Keine Äußerungen wie: „Eine 4? Ach, du meine Güte? Wie soll das dann erst in den nächsten Jahren werden?“
  • Vermeiden Sie überhöhte Erwartungen
  • Vermeiden Sie Vergleiche mit Geschwistern/Freunden – jedes Kind ist anders.
  • Vermeiden Sie Sätze wie: „Mathe konnte ich auch nicht.“
  • Bemühen Sie sich, Lehrer(verhalten) vor dem Kind nicht abzuwerten.
  • Fördern Sie selbstentdeckendes Lernen
  • Spielen legt die Grundlage für selbstentdeckendes Lernen. „Selbstentdeckendes Lernen“  heißt, sich mit Freude und Interesse möglichst selbständiges Wissen zu erwerben und sich damit die Welt zu erschließen. Das Kind lernt, sich selbst Lernziele zu setzen, geeignete Lerntechniken anzuwenden und seine Zeit einzuteilen.

Das Ziel ist „lebenslanges Lernen“.

  • Gemeinsames Spielen fördert soziale Kompetenzen: Ausdauer, Ermutigen, Zuhören, Mitspielen, Partner akzeptieren, Regeln aufstellen und anerkennen, Konflikte lösen, mit Niederlagen fertigwerden
  • Schaffen Sie eine „Lernumgebung“ (Kinderzimmer), die das eigenständige Lernen anregt
  • Sorgen Sie für spielzeugfreien Zeiten – regen Sie eigenständiges Tun an
  • Entrümpeln Sie gelegentlich das Kinderzimmer

Wochenaufgabe 1:

  • Seien Sie „Edelsteinmomenten“ auf der Spur:
  • In welchen Situationen habe ich mit meinem Kind  Edelsteinmomente erlebt?
  • In welchen Situationen könnte ich mir und meinem Kind zusätzlich Edelsteinmomente schenken?

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