A3: Seien sie der Wertekompass ihres Kindes

Wege zum Schulerfolg bedürfen der deutlichen „Wegmarkierungen“.

  • Wegmarkierungen müssen durch „Werte“ begründet oder grundgelegt sein.
  • Werte sind die „Gehhilfen“ zu einer erfolgreichen Lebensbewältigung
  • Partnerübung: Werte suchen

Setzen Sie sich mit einem Partner zusammen.

  1. Notieren Sie die für Sie wichtigsten 10 Werte.
  2. Versuchen Sie eine Wertrangfolge herzustellen. Was sind die wichtigsten Werte in Ihrer Wertauswahl.
  • Zusammenfassung der Werte-Auswahl aller Gruppen.
  • Werte, die genannt werden können:

 Gemeinschaftssinn, Disziplin, Gerechtigkeit, Verlässlichkeit, Benehmen/Anstand/Höflichkeit, Durchsetzungsvermögen, Pünktlichkeit, Vertrauenswürdigkeit, Freundlichkeit, Konfliktfähigkeit, Ordnung, Hilfsbereitschaft, Kritikfähigkeit, Pflichterfüllung, Kontaktfähigkeit, Verantwortungsbereitschaft, Lern- und Leistungsbereitschaft, Ehrlichkeit, Selbstständigkeit, Offenheit, Durchsetzungsvermögen, Zuverlässigkeit, Zivilcourage.(aus Timm)

  • Erster Versuch der Herstellung einer Rangfolge.
  • Wochenarbeit: Fertigen Sie eine für Sie schlüssige Rangfolge an.
  • Wertstiftende Bereiche sind: (siehe auch: Timm, 2009,S. 40)

1) Gesellschaftliche errungene Werte: Religionsfreiheit, Aufklärung, Gleichberechtigung, Demokratie, Grundwerte unseres Grundgesetzes

2) Moderne Lebenswerte: Autonomie und Selbstbestimmung, Mündigkeit, Verantwortungsbewusstsein (auch gegenüber der Umwelt), Offenheit (auch für ausländische Mitbürger)

3) Soziale Werte: Toleranz, gegenseitige Achtung, Gewaltlosigkeit, Gemeinsinn, Engagement für andere, soziale Verantwortung, soziale Kompetenz, kommunikative Kompetenz, Gerechtigkeit

4) 10 Gebote des Christentums

5) Sekundärtugenden: Pflichtbewusstsein, Ordnungsliebe, Pünktlichkeit, Sorgfalt, Verlässlichkeit

  • 6) Kardinaltugenden: Weisheit, Tapferkeit, Besonnenheit, Gerechtigkeit, Glaube, Hoffnung, Liebe.
  • Kinder bewegen sich in den vier Lebenswelten Familie, Schule, Freundeswelt und Medien und in jeder dieser Welten gelten möglicherweise ganz unterschiedliche Regeln und Gesetze. Machen Sie Ihr Kind durch Ihre gefestigten Familienwerte stark und immun gegen schlechte Einflüsse von außen
  • Erarbeiten Sie in Ihrer Familie einen Wertkonsens,
  • denn Werte schaffen Maßstäbe, geben Orientierung, erleichtern Entscheidungen und helfen bei der Alltagsbewältigung
  • Wertvermittlung erfolgt durch einen vorgelebten und gelebten Wertkonsens und bedarf eines Erziehungsstils, der die Persönlichkeit aller Beteiligten stärkt und achtet.
  • Seien Sie Vorbild: Sie können nicht vom Kind Pünktlichkeit erwarten, wenn Sie selbst oft zu spät kommen.
  • Begründen Sie Ihrem Kind gegenüber, warum Sie z.B. nicht pünktlich sind – dann nehmen Sie Ihre Werte ernst (keine Ausreden); natürlich sind Erklärungen nicht immer möglich.

Autoritative Erziehung statt autoritärer  oder  antiautoritärer Erziehung

  • Kurze  Skizzierung autoritärer und antiautoritärer Erziehung
  • Kennzeichen autoritativer Erziehung sind: (auch: Timm, 2009, S. 48ff)
    • Vertrauensverhältnis, basierend auf elterlicher Liebe
    • Eltern haben Erwartungen an ihr Kind und unterstützen es
    • Eltern wecken Ehrgeiz, geben Rückhalt bei Versagen
    • Eltern erklären Familienregeln, Familiengesetze und leben miteinander den Werte-Konsens
    • Eltern geben dem Kind altersgemäße Freiheiten,
    • Eltern stärken die Eigenverantwortung des Kindes
    • Eltern kontrollieren das Verhalten und korrigieren Fehlverhalten möglichst mittels Einsicht
    • Emotionale Wärme, konsequente Kontrolle und positive Förderung stärken die Autonomie des Kindes

((((alternativ weiter mit: „Vier Aspekte des Erziehungsverhaltens“))))

„Kess erziehen“: Die sozialen Grundbedürfnisse (Alfred Adler/ Rudolf Dreikurs) (aus „Kess erziehen“, Elternhandbuch)

Das Kind will:    -Dazugehören, sich geliebt fühlen

                              -Wichtig  sein,  Bedeutung haben

                              -Sich fähig fühlen und Einfluss nehmen

                              -Sich geborgen und sicher fühlen

Sicher erfüllen Sie diese Grundbedürfnisse Ihrer Kinder schon auf vielfältige Weise.

Und dennoch kann die Sehnsucht nach Erfüllung dieser Grundbedürfnisse immer wieder die alltäglichen Erziehungssituationen prägen. Hintergrund für diese Grundannahme sind folgende Aspekte:

  1. Die Zielgerichtetheit unseres Handelns

Jedes menschliche Verhalten verfolgt ein bestimmtes Ziel, auch wenn der Sinn des Handelns nicht immer erkennbar ist oder benannt werden kann.

  • Der Mensch ist ein soziales Wesen

Deshalb gehen Adler und Dreikurs davon aus, dass sein stärkster Beweggrund die Sehnsucht nach Zugehörigkeit zu einer Gruppe ist. Sein ganzes Tun ist darauf ausgerichtet, einen angemessenen Platz in einer Gruppe zu finden.

Dies bedeutet: Von Anfang an strebt der Mensch danach, ein anerkanntes und wichtiges Mitglied seiner Familie zu sein. Aus seinen Erfahrungen und Beobachtungen zieht das Kind Schlüsse und wählt die Methoden, die ihm am erfolgreichsten erscheinen, sein Ziel zu erreichen: dazugehören und wertgeschätzt zu werden.

Als Eltern können wir nur einen Rahmen schaffen, in dem das Kind bestenfalls seine Grundbedürfnisse erfüllt sieht und ein Gemeinschaftsgefühl entwickelt. Wir haben es nicht in der Hand, was das Kind aus dem Angebotenen macht. Denn jedes Kind nimmt auf seine, ihm ganz eigene Weise die Beziehungsangebote an.

Fühlen sich Kinder in ihren sozialen Grundbedürfnissen verunsichert, zeigen sie womöglich folgende Verhaltensweisen:

Verhalten entmutigter Kinder

Aufmerksamkeit zu erregen

Gehen in Machtkämpfe

Verletzen andere

Ziehen sich zurück

Im Folgenden wollen wir uns ansehen, wie zwei dieser Entmutigungen sich erklären lassen und wie wir auf diese Entmutigungen angemessen reagieren können.

  1. Kreislauf der Entmutigung: „Ungebührliche Aufmerksamkeit“

2. Kreislauf der Entmutigung: Macht

(Nur im Kurs vermittelbar!)

Adolf Adler und Rudolf Dreifuss  führen noch zwei weitere „Kreisläufe der Entmutigung“ an:

Kreislauf mit dem  Signal der Rache

Kreislauf mit dem Signal des Rückzugs

Exemplarische Problemlösestrategien:

  1. Die allgemeine IRIS-Strategie (  10-15 Min) (aus: „Kess erziehen“, Elternhandbuch)

In vier Schritten hilft die IRIS-Strategie weiter:

I = Innehalten

Sagen Sie innerlich: Stopp!!!

Steigen Sie aus der drohenden Eskalation aus.

R = Respektieren

Versuchen Sie Ihr Kind zu verstehen.

Ihr Kind befürchtet, dass Sie es aus den Augen verloren haben.

Respektieren bedeutet nicht Akzeptieren des Verhaltens.

I = Ignorieren

Gehen Sie so wenig wie möglich auf das störende Verhalten ein.

Ignorieren Sie das Verhalten des Kindes, nicht das Kind selbst.

S = Selbst handeln

Handeln Sie sofort und situationsorientiert.

Geben Sie hilfreiche Impulse, die das Kind in der Situation ermutigt.

Entwickeln Sie Ihr Verhalten für den Alltag weiter.

Schenken Sie Ihrem Kind unaufgefordert Zuwendung.

  • Beispielhafte Lösungen für die IRIS – Anwendung im Macht-Kreislauf

I = Innehalten

Sagen Sie STOPP, wenn Sie verärgert oder gar wütend sind.

Vermeiden Sie Drohungen oder andere Demonstrationen Ihrer Macht.

Vermeiden Sie einen Machtkampf.

Ihr Rückzug kann kurzzeitig oder länger andauernd sein. Letzteres teilen sie mit.

Auch ein Raumwechsel kann zu einer Vermeidung der Eskalation beitragen.

R = Respektieren

Ihr Kind handelt „machtvoll“, weil es glaubt keine Chance zu haben oder respektiert zu werden.

Ihr Kind wünscht mehr Mitsprache und Selbstbestimmung.

Ihr Kind testet Grenzen als mögliche Ziele aus.

I = Ignorieren

Kommentieren Sie das Verhalten nicht.

S = Selbst handeln

Entschärfen Sie situationsorientiert den Konflikt, indem Sie dem Kind Wahlmöglichkeiten aufzeigen.

Überlassen Sie es Ihrem Kind, die Wahl zu nutzen.

Langfristig gilt: Geben Sie dem Kind Zeit, sich auf Situationen einzustellen und freiwillig zu handeln.

Lassen Sie das Kind im Alltag mitentscheiden.

  • IRIS Veranschaulichung:

I = Innehalten

Sowie Sie bemerken, dass Sie genervt oder frustriert sind, sagen Sie sich selbst: STOPP!

Reagieren Sie nicht aus dem Affekt z.B. durch Strafpredigten und verbale Auseinandersetzungen. Maßregeln Sie das Kind nicht.

R = Respektieren

Respektieren Sie ihr Kind und versuchen Sie es zu verstehen. Das Kind handelt nicht, um Sie zu ärgern, sondern weil es befürchtet, dass Sie es aus den Augen verloren haben könnten. Es will dazugehören und beachtet werden.

I = Ignorieren

Gehen Sie auf das Verhalten des Kindes nicht ein. Schauen Sie dem Kind nicht zu oder sprechen Sie es nicht auf sein Verhalten an. Setzen Sie ihre eigentliche Tätigkeit fort!

Denken Sie daran, dass das die erzwungene Zuwendung dem Kind nichts nützt!

S = selbst handeln

Handeln Sie sofort. Das Kind braucht Signale der Wertschätzung

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Fortsetzung des Kurses!

Lernerfolg setzt Regeln und Grenzen voraus

  • Grenzen und Regeln trainieren die innere Disziplin – diese ist notwendig, um eigenständig und eigenverantwortlich zu werden.
  • Regeln und Grenzen garantieren „berechenbare“ und verlässliche Eltern
  • Regeln und Grenzen:
  • dienen der Sicherheit
  • geben Halt und Orientierung
  • geben Verlässlichkeit für das eigene Handeln
  • bewahren die Würde des Individuums
  • sind notwendige Reibungsflächen auf dem Weg zum Erwachsenenwerden.
  • strukturieren das Lernen und stärken so den Lernerfolg.
  • sind Ausdruck liebevoller Fürsorge
  • Regeln und Grenzen ermöglichen eine beschützende und gütige Autorität, die ihrem Kind gut tut
  • Erstellen Sie einen Katalog von Familienregeln:

Ordnung im Zimmer, Körperpflege, Spiel-und Fernsehzeiten, Hausaufgabenzeiten, Ausgehzeiten, …

Bei allem gilt: Geschieht etwas „automatisch“, muss es nicht als Regel formuliert werden.

  • Familien benötigen „Gemeinschaftsrituale

(Beginn der Alternative: Kurzfassung)

Vier Aspekte des Erziehungsverhaltens (nach Diana Baumrind/Psychologin/2007)

  1. Kontrolle: Eltern bemühen sich, kindliches Verhalten zu beeinflussen und die Übernahme des Familien-Wert-Konsens zu fördern und zu erreichen
  2. Anforderungen an die Reife: Eltern erwarten vom Kind ein hohes intellektuelles, soziales oder emotionales Leistungsniveau
  3. Klarheit der Eltern-Kind-Kommunikation: Eltern wollen ihr Kind mit Argumenten erziehen und berücksichtigen seine Meinungen und Gefühle
  4. Emotionale Zuwendung: Eltern zeigen Verhaltensweisen wie Wärme (Liebe, Fürsorge, Mitgefühl) und Anteilnahme (Lob und Freude) für die Leistungen des Kindes. (nach Fuhrer 2007, S.132f)

Hinweise für den erzieherischen und schulischen Alltag (nach Timm, 2009, S. 47)

  1. Wenden Sie einen Erziehungsstil an, der weite Grenzen setzt, auf deren Einhaltung Sie aber bestehen.

1a)  Sprechen Sie – da, wo es geht, Grenzen mit Ihrem Kind ab.

  • Erkennen Sie ihr Kind als selbständiges Mitglied der Familie an – so stärken Sie sein Selbstwertgefühl
  • Greifen Sie nicht immer regelnd und regulierend ein.
  • Kontrollieren Sie das Kind (informierende, nicht überwachende Kontrolle) und zeigen Sie Interesse an seinen Aktivitäten und Aufenthaltsorten.

4a) Zeigen Sie Interesse/Offenheit, indem Sie Ihr Kind informieren (z.B. über eigene

      Aktivitäten, Aufenthaltsorte, …

  • Stärken Sie das Selbstwertgefühl des Kindes durch einen kindorientierten Ansatz.

(Vertrauensvoller Ansatz mit nachrangiger Elternautorität)

  • Sprechen Sie ein deutliches Wort, wenn es kriselt.

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